Die Hermannsburger Mission

Unsere liebe Hermannsburger Mission

Es mag verwundern, dass es um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Verbindung zwischen dem im Königreich Hannover gelegenen Hermannsburg und dem zum französischen Kaiserreich gehörenden Elsass kam. Diese Verbindung hatte jedoch nichts mit Politik zu tun, sondern hatte ausschließlich kirchliche Gründe. Weil die Her­mannsburger Mission betont lutherisch war und es im Elsass (und in Lothringen!) bekenntnistreue Lutheraner gab, darum kam es zu einer anhaltenden Zusammenarbeit.

Die Hermannsburger Mission bekam ihre Prägung durch ihren Gründer Louis Harms. Er wurde 1844 Pfarrer in Hermannsburg und hat durch vollmächtige Predigt und treue Seelsorge in seiner Gemeinde lebendigen Glauben und Liebe zur Mission geweckt. So blieb es nicht aus, dass sich bei ihm junge Männer meldeten, die Missionar werden wollten. Für sie eröffnete er 1849 ein Missionsseminar. 1853 konnte er die ersten Missionare aussenden: es waren 8 Missionare und 8 "Kolonisten", das heißt Handwerker und Bauern.  Seine Idee war, dass sie sich irgendwo ansiedelten, eine kleine christliche Gemeinde bildeten, sich selbst versorgten und um sich herum missionierten, dass später einige von ihnen weiterzogen, eine neue Siedlung aufbauten - und dass es dann so weiterginge und ein ganzes Netz von Missionsstationen entstünde. Er schickte seine ersten Missionare - auf dem eigens dafür gebauten Schiff "Kandaze"- nach Äthiopien. Weil sie dort nicht Einlass fanden, begannen sie ihre Missionsarbeit in Südafrika. Das blieb lange das bedeutendste Missionsfeld der Hermannsburger Mission. Aber schon zu Louis Harms Zeiten zogen Missionare nach Indien und auch nach Nordamerika als Pfarrer für die aus Europa ausgewanderten Siedler. Erst 1927 kamen Hermannsburger Missionare nach Äthiopien.

Louis Harms war ein begnadeter Erweckungsprediger, dessen Wirkung weit über seine Gemeinde hinausging. Sein Standpunkt war betont lutherisch. Er hielt sich genau an die Lehre der lutherischen Bekenntnisschriften, sein Anliegen war, dass "das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig als die Kinder Gottes danach leben" (so steht's in Luthers Kleinem Katechismus).

Er liebte die lutherische Kirche, verwarf die falsche Lehre, die in sie eingedrungen war und wollte, dass seine Missionare lutherische Kirche bauten. Er gehört zu den bedeutenden Vertretern der Bewegung, die man die lutherische Erweckung nennt.

Auch im Elsass gab es diese Lutherische Erweckung. Als ihre Vertreter von Louis Harms und seiner Missionsanstalt hörten, nahmen sie die Verbindung mit ihm auf. 1865 schrieb Pfarrer Horning aus Strassburg an Louis Harms, dass die von ihm gegründete Lutherische Gesellschaft die Hermannsburger Mission als ihre Mission ansehe. Auf dem von Pfarrer Michel Huser begründeten Rothbacher Missionsfest - und auf vielen anderen - wurde jahrzehntelang treu von der Hermannsburger Missionsarbeit berichtet.

Viele Gemeinden unterstutzten sie. So hat der Niederbron­ner Pfarrer Gottfried Simon (von 1868 bis 1910 in Niederbronn) ihr jährlich rund 1000 Mark zukommen lassen. Im "Evangelisch-lutherischen Friedensboten aus Elsass-Lothringen", den der Niederbronner Epicier Friedrich Weyermüller herausgab und dessen Redakteur der Bärenthaler Pfarrer Ihme war, wurde regelmäßig von ihr berichtet. 

Dass sie immer wieder "unsre liebe Hermannsburger Mission" genannt wird, zeigt, dass man mit Liebe zu ihr stand.

Martin Siegwalt.

 

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