Das Land.
China ist ein Land voller Kontraste. Modernität und uralte Traditionen leben nebeneinander. Die Hochhäuser wachsen so schnell und immer höher. Tag und Nacht wird gearbeitet. In Shangaï befindet sich der zweitgrößte Turm der Welt in einem Viertel, das im Stadtplan von 2000 noch nicht existierte. Ein Jahr vor den olympischen Spielen hieß es immer wieder am Fernsehen und in den Zeitungen "China is changing, China is changing the world", das heißt: "China ändert sich, China ändert die Welt". Diesen Eindruck von großen Verwandlungen hatten wir während des ganzen Aufenthalts, auch im Kontakt mit den Kirchen und den Christen, denen wir begegnen konnten.
Das Ziel der Reise.
Es war eine Studienreise um die Situation der Christen in China besser kennen zu lernen. Der Fortbildungskurs für Pfarrer aus der Schweiz und einem aus dem Elsass geschah unter der Leitung von Michel Baumgartner aus Zürich und Tobias Brandner, einem Missionar der Basler Mission in Hong-Kong. Er war 9 Jahre als Seelsorger für Gefangene tätig und war auch Lehrer an einer theologischen Hochschule. Er sprach gut chinesisch und konnte uns dadurch in verschiedenen Gemeinden der Gegend von Canton einführen.
Das Leben der chinesischen Kirchen.
Wir konnten entdecken dass die Kirche, nach den schweren Verfolgungen, besonders während der kulturellen Revolution von Mao Tse Dung, wieder langsam auflebt. Viele christliche Gruppen bleiben dennoch verborgen (underground churches) weil sie nicht offiziell anerkannt sind und es öfters auch nicht wollen um vom Staat unabhängig zu bleiben.
Die Gottesdienste finden oft in der Woche statt weil die Männer fort sind oder sonntags arbeiten müssen aber der Glaube ist stark und die Hoffnung groß. Lange durften die Christen ihren Glauben nicht äußern, so haben sie versucht durch ihr Verhalten in der Familie und auf dem Arbeitsplatz mit beruflichem Gewissen von ihrem christlichen Glauben zu zeugen. Mehr durch diskrete Taten als große Worte ist die Kirche gewachsen.
Auch die konfessionellen Unterschiede wurden allmählich abgewischt. Die Christen mussten ohne Hilfe vom Ausland auskommen und haben dadurch an Authentizität gewonnen. Sie wurden vom Staat zur Autonomie gezwungen. Das wirkt sich heute positiv aus: sie sind stark in ihrer eigenen Kultur verwurzelt.
Ein unerwartetes Ereignis.
Groß war unsere Freude als wir im Hinterland von Canton eine alte Missionsanstalt besuchen konnten. Der Leiter erinnerte sich noch gut an den Vater von Maurice Bach der dort tätig war und erwähnte den Namen vom Missionar Willy Sikemeier, der Uronkel meiner Frau Françoise. Damals, waren Schule, Kirche und Spital, öfters miteinander verbunden um die Ganzheit des Menschen wahr zu nehmen. Die Leute haben mit Begeisterung von der alten Zeit gesprochen und ihren Dank ausgedrückt für den Einsatz der Missionare. Die alten Gebäude sind geblieben, daneben wurde eine neue Kirche gebaut.
Weihnachtsfest.
Wie bei uns wird Weihnachten in den Familien gefeiert. Die Weihnachtsindustrie überschüttet den Weltmarkt. Die Sachen werden in China billig hergestellt. Viel Kitsch und nicht immer vom besten Geschmack wird exportiert. Es ist wichtig hier und dort sich nicht durch die äußeren Lichter verblenden zu lassen und die Einfachheit der Geburt Jesu mit Freude und Dankbarkeit zu erleben.
"Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen!"
In Verbundenheit mit den Brüdern und Schwestern aus China, dem "Land der Mitte".
Jean-Jacques GEHENN
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