L’Église en route - Un ange passe
Zweiter Tag : Goersdorf – Birlenbach
Eigentlich ist es mir noch nie aufgefallen : aber wenn man zu Fuß unterwegs ist und langsam durch hügeliges Land geht, sieht man als allerersten von der nächsten Ortschaft den Kirchturm. Zuerst die Spitze, dann die ganze Größe des Turmes erscheint hinter dem Grün der Hügel. Erst allmählich und wenn man sich nahe genug befindet tauchen die ersten Häuser auf. Aber der Kirchturm, den sieht man zuerst.

Jean hinkt etwas zurück. Irgendetwas scheint ihm Schmerzen zu bereiten. Ich lasse mich zurückfallen und warte auf ihn. Seine neue Hose scheuert unangenehm, wie er mir bereitwillig mitteilt. So gehen wir ein Stück zusammen und reden über seine Erfahrung mit Kirche warum er aufgebrochen ist. „Um Kirche mal anders zu erleben“, sagt er mir und klagt etwas, dass er manchmal den Eindruck habe, dass die Kirche in alten Traditionen erstarre und nicht wage Neues auszuprobieren, so wie diese Wanderung“ und dabei schaut er mich unternehmungslustig an.
Die Kinder werden langsam müde und eines nach dem anderen verschwindet in dem langsam dahinzockelten Schäferkarren oder sie nützen die Gelegenheit hoch zu Ross weiter zu kommen.
Umkehren! Vielleicht ist es manchmal besser umzukehren als zu lange auf dem falschen Weg zu sein?
Dann taucht der Kirchenturm von Birlenbach hinter den Hügeln auf. Endlich angekommen.
„Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich bewahren“. Wie gut es tut sich bewahrt zu wissen, sich aufgehoben zu wissen in einer Gemeinschaft, empfangen zu werden und versorgt zu werden, dass erlebe ich im Gottesdienst. Ein großartiger Empfang der Gemeinde: Eine warme Dusche im öffentlichen Schwimmbad, ein warmes Abendessen. Engel müssen dazu nicht immer Flügel haben.
Dritter Tag: Birlenbach – Weissenburg
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J |
ean schleppt sich schwer die Anhöhe herauf. Der dritte Tag – aber er hält durch und lässt sich partout nicht bewegen in unserem dunkelgrünen schaukeligem Begleitfahrzeug Platz zu nehmen. Dabei lässt sich es ganz angenehm darin reisen. Unser jüngster sitzt bereits morgens schon im grünen Karren und genießt sichtlich die langsame Fahrt. Noch wenige Kilometer sind es nach Weißenburg und mir scheint das Wandern immer mehr Spaß zu machen. „Der Engel des Kampfes“ hieß die Bibelarbeit heute Morgen und wieder einmal bin ich in Gedanken bei Jakob, der auf dem Weg am Jabbok von Gott überrascht wird. Ein Kampf beginnt und am Ende bleibt kein Sieger. Nur Jakob bleibt hinkend zurück. Ich denke an Jean, der trotz allem nicht aufgibt. Wer weiterkommen will, muss auch sich einlassen können auf Herausforderungen!

Dann endlich: Im Osten begrenzen in der Ferne die dunklen Hänge des Schwarzwaldes die Sicht, im Westen steigen die bewaldeten Hügel der Nordvogesen und des Pfälzer Walds empor. Aber vor uns öffnet sich der Blick auf das weite, fruchtbare Rheintal. Die Spitzen der Karlsruher Industrie Giganten in der Mitte. Direkt vor uns die mittelalterlichen Mauern der ehrwürdigen Stadt Weissenburgs hinter deren Festungsmauern sich grüne Rebenhänge emporziehen.
Wir werden neugierig angestarrt als wir mit unserer bunte Truppe bis vor die evangelische Stadtkirche ziehen. Die dritte Etappe ist geschafft.
Sören LENZ